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29. Mai 29. Mai31. Mai 31. Mai

30. Mai

Saint Just-Saint Rambert – D8 – Saint Etienne – le Bessat – D8xD2 – Bourg Argental – D503xD501xD61 – Dunières – D61xD501 – Montfaucon-en-Velay – D105xN88xD103 – Larcenac (139 km)

Es sei denn, man steht später auf. So geschieht es, und als ich wach werde, habe ich den Eindruck, dass ich sogar der erste bin, der im Haus wach ist, aber es ist ja immerhin auch Sonntag. Nun, im Grunde könnte ich mich dann also noch einmal umdrehen, weil ich nach Möglichkeit weder ohne Abschied noch »ungefrühstückt« das Haus verlassen will, wobei letzteres nicht so ein Drama wäre, weil das bürgerliche Frühstück unter den jetzigen Umständen ohnehin nur etwas für den hohlen Zahn ist. Ich ziehe es aber vor, mich schon mal so weit fertig zu machen, wie das ohne Frühstück möglich ist, damit sich meine Abreise dann nicht weiter verzögert. Aus der Waschmaschine hole ich meine Hose – das ist doch etwas Reales, jetzt mal wieder klebemittelfrei bekleidet zu sein –, mein Schlafsack wird zusammengerollt und verstaut, und während ich die letzten Handgriffe dabei tue, sind Anzeichen weiteren wachen Lebens im Haus zu vernehmen. Na gut, wenn ich mich jetzt noch müde fühle und noch kein Essen auf dem Tisch steht, könnte ich mich ja einfach noch mal auf den Boden legen. Ich blättere stattdessen erneut in dem Buch über die Weltreise. Das macht schon Eindruck. Aber ich werd’s wohl nicht nachmachen.

Bald darauf versammeln wir uns zu dritt in der Wohnküche – zum bürgerlichen Frühstück. Wir unterhalten uns ein bisschen über die Kanadareise der beiden, über den französischen Dachgeber, über meine weiteren Reisepläne, aber das ist immer so eine Sache. Wenn ich Franzosen erzähle, durch welche Orte die Reise noch gehen wird, könnten sie meinen, ich führe durch ein anderes Land, weil sie die Ortsnamen aufgrund meiner falschen Aussprache nicht verstehen. Und am zehnten Tag einer Reise, wo gerade mal etwa 20 Prozent der gesamten Strecke mit dem eher weniger anspruchsvollen Teil der Fahrt absolviert sind, möchte ich auch keine Luftschlösser aufbauen. In Albertville könnte ich vielleicht locker darüber plaudern, dass ich plane, mein Gefährt und mich demnächst nach Deutschland ausrollen zu lassen und vorher noch über drei, vier nette Pässe fahren müsse, wenn ich vorher glaubhaft machen kann, dass ich schon einige Tausend Kilometer hinter mir habe. Aber hier – gut, 1000 sind es inzwischen auch, aber soweit haben es schon viele gebracht. Bald beginnt die Phase, die Stehvermögen verlangt, und die liegt noch vor mir. Da bleibe ich doch lieber verhalten mit meinen Ankündigungen und Absichtserklärungen.

Spät geht die Fahrt los. Ich muss jetzt erst mal wieder auf den rechten Weg zurückfinden; denn St. Just lag abseits meiner Route. Ich habe St. Etienne vor mir, und es sieht nicht so aus, als führe daran ein Weg vorbei. Nun, warum nicht, wenn wenigstens einer direkt hineinführt.

Zunächst mal muss ich aus dem Loiretal wieder heraus. Ich kann jetzt gar nicht mit Sicherheit sagen, ob ich sie eigentlich gesehen habe, aber ich denke, ja. Einen Fluss habe ich überquert, vielleicht auch zwei; allein – sie waren nicht annähernd so gewaltig wie der Gedanke, den ich in Deutschland zu entwickeln pflegte, wenn die Rede auf die Loire kam. Aber klar ist auch, dass jeder Strom irgendwo seine Quelle hat und in deren Nähe meist nicht so bedeutend erscheint. Und von der Mündung sind wir hier jedenfalls noch ein ganzes Stück entfernt. – Die direkte Fahrt hinein ins Herz der Metropole gestaltet sich indes als nicht so einfach wie gedacht. Vierspurige Straßen führen hinein, so scheint es jedenfalls nach dem Studium der Karte, aber das ist erstens ganz allgemein nicht so die Welt, und zweitens ist es womöglich auch noch für Radfahrer gesperrt. Kann ja sein. Im Moment bin ich noch in der Phase der Annäherung, und das geht ganz gut, auch wenn ich das Gefühl habe, dass die Straße irgendwie östlich abzudriften droht, vorbei an der Stadt und letztlich entweder überhaupt nicht oder an der falschen Stelle in die Berge. – Ein paar Radfahrer überholen mich. Rennräder, bunte Trikots, gebeugte Rücken, drahtige Körper, eine Frau und vier Männer surren an mir vorbei, ohne Atem und Lust zu einem Gruß. Es ist schrecklich! Müssen die eigentlich international solche Stoffel sein? Oder sind sie es nur gegenüber den geradezu antitrendigen Reiseradlern oder weil die so vergleichsweise langsam sind und betrachtet aus der Höhe sportlichen Ehrgeizes eigentlich Verachtung verdient haben?

Die Eroberung der Stadt wird dann tatsächlich ein bisschen zu einer Fahrt im Labyrinth. Da kommt mir zupaß, dass sie auf hügeligem Land erbaut wurde und von der einen oder anderen Anhöhe einen Blick erlaubt, der der Orientierung dienen kann. Es dauert eine Weile, bis ich richtig »drin« bin, und dann dauert es wieder eine Weile, bis ich die richtige Ausfahrt gefunden habe. Vorher besuche ich noch eine Boulangerie und kaufe mir Baguettes und ein Ökobrot und lasse es mir noch einmal richtig gut gehen, bevor die lange Auffahrt in die Berge kommt. Ein Blick auf die Uhr: Es ist eine Schande! Mittag ist vorbei, und ich habe gerade mal lächerliche 25 oder 30 Kilometer hinter mir. Das werden heute keine Meilensteine.

Obwohl die Stunde nicht die günstigste zum Bäume ausreißen ist, obwohl der Höhenunterschied aber durchaus ein wenig daran erinnert, und obwohl auf der Route recht lebhafter Verkehr herrscht, mache ich mich schließlich unverdrossen an die Arbeit, und es macht Spaß. Die Landschaft ist wirklich sehenswert, und wenn sich der Verkehr hinter mir rücksichtsvoll staut, weil der Gegenverkehr hinter einer Kurve nicht einsehbar ist, dann winke ich die Fahrzeuge vorbei, sobald ich jedenfalls sehen kann, dass ein Überholen gefahrlos möglich ist. St. Etienne ist schon nach kurzer Zeit meinen Blicken entschwunden, eine Aussicht aus großer Höhe ist auf dieser Route nicht möglich. Na ja, muss ja vielleicht auch nicht sein.

Auf 1200 Metern Höhe findet ein Markt statt. Händler haben auf einer Parkspur ihre Buden aufgebaut und verkaufen dort Dinge, von denen ich eigentlich annehmen möchte, dass man derentwegen wochentags nicht so weit fahren muss und sie auch unbedenklich auf Vorrat kaufen kann – Käse zum Beispiel. Möglicherweise handelt es sich hier eher um ein Weekend-Happening, um Shopping, wie wir so schön neudeutsch sagen, also einfach um das Erlebnis, heute und hier einkaufen zu können, egal, was es ist. Etwas abseits des größten Händlerhaufens setze ich mich hin, um mich nach dem Aufstieg zu stärken. Zwei deutsche Pilgerinnen tun es mir gleich. Sie sind zu Fuß unterwegs, wobei offen bleibt, ob sie gelegentlich auch trampen, aber sie haben jedenfalls noch einen weiten Weg vor sich, wollen nach Santiago de Compostella – oder so ähnlich, jedenfalls irgendwohin in Spanien, und das ist in der Tat noch ein weiter Weg.

In le Bessat erfahre ich in einem Fahrradladen, wo sich die nächste trinkbare Quelle befindet, muss zwar ein wenig suchen, werde schließlich aber fündig. Wenn ich mir den Laden so angucke, und wenn ich mich daran erinnere, was ich insgesamt so an Fahrradläden bisher gesehen habe, dann fällt mir auf, wie stark sich die Händler auf Rennräder und ziemlich teure Ausrüstungen verlegt haben. Das Radfahren scheint in Frankreich nicht nur ein populärer Rennsport zu sein, sondern darüber hinaus substanziell zum Bruttosozialprodukt beizutragen. Da entstehen echte Kosten. Ich finde mich daran gemessen eher auf einem Billigtrip. Aber das gilt ja nicht nur für meine Ausrüstung, sondern für den ganzen Stil meiner Reise. Da bin ich mir wenigstens treu.

Mein Tretlager wäre an sich auch ein Fall für einen Fahrradhändler. Es knackt bei jeder Umdrehung – nicht laut, aber vernehmlich… und vor allem lästig. Ich vermute, das liegt daran, dass die Größe nicht hundertprozentig mit der des kurz vor Antritt der Reise ’rausgeworfenen übereinstimmt, und jetzt ist ein kleines Spiel zwischen dem Außengewinde der Lagerverschraubung und dem Rahmengewinde, und unter dem Einfluss der Kletterkräfte hat sich das bis zu einem mechanisch relevanten Spiel erweitert. Und nun spüre und höre ich es. Ich hasse solche Effekte! Aber was soll ich tun? Wenn ich jetzt hier in den Laden ’reingehe, ist nur sicher, dass ich eine Menge Geld loswerde. Ich werde dem Menschen nur schwer begreiflich machen können, was mein Problem ist. Dann wird er nur mit geringer Wahrscheinlichkeit sagen können, was ich anstelle dessen, was ich habe, brauche, solange das jetzige Lager eingebaut ist, und wenn ich richtig Pech habe, würgen wir das aktuelle Teil unter irreversibler Beschädigung aus dem Rahmen heraus, um festzustellen, dass das benötigte Teil nicht vorrätig ist. Und dann stehe ich erst noch auf dem Schlauch! Wobei bei dem Rahmen aus der Schweiz und dem, was Heiner in Erlangen über die französische Gewinde gemurmelt hat, die Chancen wiederum nicht so schlecht stehen, in diesem Land grundsätzlich etwas Passendes zu finden. Aber kann ich davon ausgehen, dass der Rennradmarkt überwiegend inländisch bedient wird (und dementsprechende Gewinde hat)? Und schließlich würde mir möglicherweise ein Hightech-Teil angedreht werden (nicht notwendigerweise aus Gewinnsucht, sondern weil der Mann vermutlich schlicht nichts anderes hat), das ein Mehrfaches dessen kostet, was ich in Deutschland nach sorgfältiger Suche für das absolut Notwendige bezahlen müsste. Wie dem auch sei, diesen Gedanken spinne ich lieber nicht weiter. Das muss eben einfach gehen. Aber die Erörterungen zur Technik lassen sich ausweiten. Der Reifen auf dem Hinterrad macht einen ziemlich erledigten Eindruck. Gut, das wusste ich im Prinzip schon in Erlangen, aber die letzten zehn Tage haben die Spuren vertieft, den Pneu weiter verdünnt oder besser: abgenutzt, und jetzt macht er schon fast einen kriminellen Eindruck. An der einen oder anderen Stelle wird bereits das Gewebe sichtbar. So was wäre im Stadtverkehr schon x-mal dem Glas oder sonstigen scharfen Dingen auf dem Radweg zum Opfer gefallen. Aber zumindest solche Gefahren existieren auf der Landstraße eher selten, weil da vom Kraftverkehr alles in kürzester Zeit vom Asphalt gefegt wird, und das ist der ganze und einzige Grund dafür, warum man ausgerechnet für große Reisen alte Reifen aufziehen kann – man muss nur genügend davon dabei haben. Ich fahre nach wie vor einen Ersatzreifen spazieren, und vorerst zögere ich noch, ihn einzusetzen, denn dann ist diese Kategorie von Ersatzteilen erschöpft.

Nach diesem Höhepunkt geht es nun wieder etwas bergab, und ich stehe jetzt vor der Entscheidung, ob ich hier vielleicht ein paar Kilometer, auch ein paar Höhenmeter zugegebenermaßen, einsparen könnte. Im Grunde liege ich zwar gut im Rennen, nur treibt mich ein wenig der Gedanke um, dass Rundtouren wie die von vorgestern ja nicht geplant waren, und wenn sich nun noch weitere Doppelübernachtungen bei Servas-Dachgebern ergeben, dann wird es zusätzliche Verzögerungen oder/und Ausweitungen der Reise gegeben, die nicht geplant waren. Nichts gegen Spontaneität, im Grunde ist es ja genau das, was ich versuche und auch ursprünglich im Sinn gehabt habe, aber es wäre mir unangenehm, womöglich das eine oder andere geplante Highlight der Route solchen Unternehmungen opfern zu müssen. Ich habe mir pro Tag etwa 20 Kilometer Reserve gelassen, und die will ich gerne für so was aufzehren, aber wenn’s mehr wird, muss ich über das Normale hinaus fahren, und dann wird die Reise ganz leicht doch zur Hetzjagd. Das hätte ich ganz gern voll unter Kontrolle – und darum diese Überlegungen. Also gut, kürzen wir ab, lassen wir St. Julien aus, was immer ich dabei verpasse. Die alternative Abfahrt ist jedenfalls sehr schön und schier endlos lang, und weitere Aufstiege bleiben mir damit keinesfalls vollständig erspart. In der schönsten Nachmittagshitze erreiche ich Bourg Argental, und von dort geht es zunächst leicht an die nächste Höhe. Sechs, sieben Kilometer später hat die Spielerei ein Ende, und dann ist erneut Substanz gefragt. Allerdings haut es mich nicht um. Die Auffahrt kostet halt nur Zeit. Ich fahre an einem Schwimmbad vorbei, und da das bei diesem Wetter und solcher Anstrengung leicht demoralisierend wirken kann, halte ich mir vor Augen, dass mich ein Abstecher ins Bad dem Pass keinen Meter näher bringt, dass nach einer wie auch immer gearteten Erfrischung jeglicher Kühleffekt hinüber ist, sobald ich zwei Minuten wieder im Sattel sitze und dass, was das Wichtigste ist, dort ein solcher Betrieb ist, dass einfach mal in Ruhe zwei, drei Bahnen zu ziehen schlicht illusionär wäre. Mit anderen Worten: Die Trauben sind mir doch viel zu sauer.

Weiter geht’s. Nach der Abfahrt verbringe ich einige Zeit in Dunières. Das war an sich nicht meine Absicht, aber hier wollte ich eine kleine Schleife fahren, also vielleicht eher eine Beule, um mich ein paar »gemütliche« Kilometer lang von einer Eisenbahnstrecke begleiten zu lassen (was ja nicht so steil werden kann), auch ist diese Strecke wieder grün markiert – nur: Die Beule lässt sich nicht so leicht finden. Nun könnte man in einer Ortschaft zu ebener Erde praktisch beliebig hin und her und im Kreis fahren, ohne viel Schweiß mit dem Auffinden der korrekten Ausfahrt zu vergießen. Dunières allerdings liegt mitnichten in der Ebene. Und so fahre ich den Hang hinunter, wieder hinauf, erneut hinunter und diesmal noch ein Stück weiter, dann noch einmal hinauf. Es lebe der Sport! Irgendwann resigniere ich und fahre die nächstbeste Strecke hinaus – um dann nach einigen Kilometern festzustellen, dass es genau die gewünschte Straße ist. Und wo verläuft dann die Hauptstraße, auf der ich vorher unterwegs war? Na ja, ist nicht so wichtig. Die Eisenbahnstrecke neben der Straße macht jedenfalls einen abenteuerlichen Eindruck. Die Gleise sehen fast aus wie einfach auf den Acker geworfen – na gut, das ist wohl etwas übertrieben, aber die Stöße verbinden keinesfalls fluchtende Gleisstücke, so dass sicherlich kein so enormes Tempo erforderlich ist, um einen Zug zum Entgleisen, wenn nicht gleich Umkippen zu bringen. Es kommt allerdings kein Zug, schon gar kein schneller, und ich frage mich, ob hier überhaupt noch etwas verkehrt.

Auf der Strecke kriege ich noch eine imposante Brücke über einen nicht minder imposanten Fluss zu sehen, und zum späten Nachmittag hin wird die Landschaft immer romantischer, weil die Härte der Tageshitze und der großen Berge wegfällt, der Ginster an allen Ecken und Enden akzentuierte Farbtupfer setzt und die meisten Landschaftsdetails eine deutliche Spur kleiner werden, überschaubarer, vielleicht sogar ein wenig gemütlicher.

Le Lignon bei La Chapelette Le Lignon bei La Chapelette
Le Lignon bei La Chapelette La Chapelette

Ich nähere mit Yssingeaux, fahre aber letztlich daran vorbei, und die Frage, die mich jetzt bewegt, ist die, ob ich heute noch le Puy erreiche. Ich will mich an die Stadt über das Loiretal annähern, muss also (und bin wegen des starken Verkehrs auch froh drum) die Hauptstraße verlassen und fahre dazu in Richtung Retournac. Obwohl nahe liegend, ist dies keineswegs eine durchweg abschüssige Angelegenheit. Ich darf noch mal kneten, aber als der Fluss dann erreicht ist, scheint dieses Thema für heute gegessen zu sein. Das Loiretal macht was her. Es ist schon ein relativ tiefer Einschnitt in das umliegende Bergland, keine Frage, und die inzwischen tief gesunkene Sonne erhöht die Romantik um die Dörfer beiderseits des Flusses, eine Eisenbahnlinie, eine Straße, mal diesseits, mal jenseits des Wassers und natürlich die eine oder andere Stauung.

Ginster Chamalières-sur-Loire

Dass es jetzt nur noch gemütlich ganz leicht aufwärts zur Quelle gehen würde, stellt sich schnell als Irrtum heraus. Keineswegs folgt die Straße ohne eigenen Willen jeder Krümmung des Flusses, sondern macht sich auf in die Berge, und ich kann noch von Glück reden, dass es nicht ganz hinauf geht, vor allem, dass die Eskapaden bald ein Ende haben und mich nun nicht bis nach le Puy begleiten. Das würde erheblich Kraft kosten, vor allem unerwarteterweise. Eine realistische Abschätzung ergibt, dass nach den 36 Kilometern neben der Loire finstere Nacht ist, und die Frage, ob ich das schaffe, ist nicht so relevant wie die, ob ich das will. Die Antwort ist, dass ich nach Möglichkeit gut unterkommen will. Und das erweist sich als ein Problem. Mal scheitere ich tatsächlich erst, nachdem ich die Frage gestellt oder auch nur neugierig einen Hof betrachtet habe, der so aussieht, als gäbe es dort Zimmer – in den meisten Fällen stehe ich jedoch nur vor einem Restaurant oder einer Wirtschaft und stelle Betrachtungen über die Kosten einerseits und die Geräuschkulisse andererseits an (wozu mich rauschende Partys im Gastraum bewegen und die Überlegung, die eventuell noch freien Schlafräume könnten genau darüber liegen, was zum Schlafen weniger zielführend wäre). Letztlich ist das irgendwie alles nichts, auch sonst ist in den Ortschaften kein Fleckchen erkennbar, das ich für geeignet hielte, dort mein müdes Haupt zu betten, und so fahre ich eben immer weiter. Einen Sportplatz schaue ich mir an, jedenfalls einen Flachbau daneben – alles zu; auch ein einzeln stehendes Haus, fast schon ein Châlet, aber das wiederum sieht nicht genügend unbewohnt aus. Alles nichts. Weiter geht’s. Schließlich reicht es mir: Ich biege rechts von der Hauptstraße ab, fahre unter einer Eisenbahnbrücke hindurch auf eine ungemähte Wiese, breite Isomatte und Schlafsack aus und schlafe dort wie früher die armen Handwerksburschen auf Wanderschaft (nur dass die keine so fortschrittliche Ausrüstung wie ich hatten), jedenfalls komplett unter freiem Himmel. Regnen sollte es also besser nicht, aber das wird schon nicht passieren.

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